Audio für Film 101: Möglichkeiten zur Reduzierung von Windgeräuschen bei Außenaufnahmen

Bei Außenaufnahmen stehen Filmemacher vor einer Reihe von Herausforderungen, die es in Innenräumen schlicht nicht gibt. Eine davon ist der Umgang mit den Elementen – wobei Windgeräusche zu den Hauptursachen für schwierige Dreharbeiten gehören.

Wind kann sich in all seinen Formen äußerst nachteilig auf Tonaufnahmen auswirken. Für Filmemacher, die häufig in windigen Umgebungen arbeiten, stellt dies leider eine zusätzliche Hürde im kreativen Prozess dar. Es gibt jedoch viele Möglichkeiten, Windgeräusche bei Außenaufnahmen zu reduzieren, und die meisten davon sind kostengünstig, einfach und effektiv. Sehen wir uns das an.

Dies ist der erste Teil unserer Serie Audio für Film 101 , in der wir die verschiedenen Aspekte von Tonaufnahmen für Film beleuchten. Alle Videos finden Sie hier. Weitere Artikel finden Sie im RØDE Blog

Wie entstehen Windgeräusche?

Einfach gesagt: Mikrofone kommen mit starken Luftbewegungen jeglicher Art nicht gut zurecht – ganz gleich, ob sie von einem hauchigen Sänger oder stürmischem Wetter verursacht werden. Mics reagieren äußerst empfindlich auf Luftbewegungen. Sie sind dafür ausgelegt, akustische Energie über eine Membran, die durch Schallwellen in Schwingung versetzt wird, in ein Audiosignal umzuwandeln. Da die menschliche Stimme – ebenso wie andere Schallquellen, für deren Aufnahme Mics entwickelt wurden – vergleichsweise wenig akustische Energie abgibt, ist diese Membran sehr empfindlich.

Wind erzeugt im Vergleich dazu eine erhebliche Luftbewegung und verursacht dadurch starke niederfrequente Schwingungen in der Membran (dies ist wichtig zu beachten, wenn Windgeräusche in der Postproduktion reduziert werden sollen). Diese intensiven Schwingungen sind in Aufnahmen häufig als heftiges Rumpeln zu hören, was ziemlich unangenehm klingt. Wie lässt sich das also beheben?

Verschiedene Mic-Typen und ihr Verhalten bei Windgeräuschen

Ein kurzer Hinweis zu verschiedenen Mic-Typen und ihrem Verhalten bei Windgeräuschen: Im Allgemeinen reduzieren omnidirektionale Mikrofone Windgeräusche, Plosivlaute und andere harte Schallquellen besser. Die Membranen von Omnis sind in der Regel robuster als die von Richt-Mics und reagieren daher weniger empfindlich auf den durch Wind erzeugten Druck. Deshalb verfügen die meisten Lavalier-Mics und Headset-Mics (wie das im Wireless GO oder unser HS2) über omnidirektionale Mics. Dies ist auch einer der Gründe, warum Richt-Mics wie Shotgun-Mics eine Art Diffusor benötigen, um Windgeräusche zu reduzieren.

Dennoch sind omnidirektionale Mics in vielen Aufnahmesituationen nicht ideal. Richtmikrofone sind die erste Wahl für Videoaufnahmen, da sie Schall von den Seiten ausblenden und sich auf die Schallquelle konzentrieren, auf die sie gerichtet sind. Außerdem haben sie eine größere Reichweite als Omnis. Das bedeutet, dass Sie weiter von der Schallquelle entfernt sein können und trotzdem einen klaren Ton erhalten. Wenn Sie nicht etwas aufnehmen, bei dem der Ton aus allen Richtungen erfasst werden muss (oder ein Lavalier-Mic verwenden), sind Shotgun-Mics die richtige Wahl. Damit kommen wir zu …

Möglichkeiten zur Reduzierung von Windgeräuschen bei Außenaufnahmen

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, störende Windgeräusche bei Außenaufnahmen zu reduzieren. Welche Methode Sie wählen, hängt von den Bedingungen am Drehort und der verwendeten Ausrüstung ab.

Schutz verwenden

Die meisten Video-Mikrofone werden mit einem physischen Windschutz geliefert, der entweder in das Design des Mics integriert ist (wie bei unserer VideoMic -Reihe) oder als optionales Zubehör erhältlich ist. Dazu gehören Schaumstoff-Windschutze, Felle oder Deadcats sowie Blimps.

Windschutze

Schaumstoff-Windschutze sind in der Regel die erste Verteidigungslinie gegen Windgeräusche. Eine Hülle aus offenporigem Schaumstoff um das Mikrofon verteilt und verringert die akustische Energie des Winds, der auf die Mikrofonkapsel trifft, und reduziert dadurch die niederfrequenten Schwingungen. Der Windschutz sollte eine stromlinienförmige Form haben, damit der Wind um ihn herum statt in ihn hinein strömt. Je enger er anliegt, desto besser. Die meisten unserer Video-Mics werden mit einem hochwertigen Windschutz geliefert.

Deadcats

Schaumstoff-Windschutze sind wirksam, um geringe Windstärken abzufangen. Wenn Sie jedoch in einer besonders windigen Umgebung drehen, benötigen Sie möglicherweise eine zusätzliche Schutzstufe. Ein Deadcat – je nach Größe auch Deadkitten oder Deadwombat genannt oder einfach ein Fell – ist ein Windschutz aus Kunstfell, der Geräusche bei starkem Wind reduziert und dabei akustisch transparent bleibt.

Diese funktionieren ähnlich wie offenporiger Schaumstoff, indem sie die Energie des Winds absorbieren, der auf die Mikrofonkapsel trifft. Die höhere Dichte dieser Fell-Windschutze bietet einen noch besseren Schutz vor Windgeräuschen. Dabei ist zu beachten, dass dichtere Materialien den auf die Kapsel treffenden Ton ebenfalls negativ beeinflussen können, meist durch eine Dämpfung höherer Frequenzen. Wenn Sie also ein Fell verwenden, müssen Sie dies möglicherweise berücksichtigen, indem Sie die Höhen in der Postproduktion leicht anheben.

Blimps

Blimps (oder „Zeppeline“) sind große, röhrenförmige Windschutze, die ein Mikrofon vollständig umschließen und dadurch einen noch besseren Schutz vor Windgeräuschen bieten. Sie verfügen über ein Deadcat und eine elastische Aufhängung und können für eine einfache Handhabung an einem Handgriff oder einer Tonangel befestigt werden. 

Die Positionierung berücksichtigen

In manchen Fällen lassen sich Windgeräusche bereits durch einige kleine Anpassungen an der Positionierung Ihres Mics reduzieren.

Schutz suchen

Wenn Sie vor Ort mit Windgeräuschen zu kämpfen haben, nehmen Sie sich einen Moment Zeit und suchen Sie nach einem etwas besser geschützten Ort für die Aufnahme. Bäume und Büsche, Mauern und Zäune, Gebäude und Autos können allesamt Schutz vor Wind bieten. Dieser Ort ist möglicherweise nicht ideal für Ihre Aufnahme, aber für einen guten Ton müssen Sie eventuell Kompromisse eingehen.

Ihr Mic verbergen

Dies ist eigentlich nur relevant, wenn Sie ein Lavalier-Mic verwenden. Wenn Sie das Mic an Ihrem Talent befestigen, überlegen Sie kurz, wie sich seine Positionierung auf die Windgeräusche auswirkt. Schon etwas so Einfaches wie die Befestigung des Mics in einer Hemdtasche statt außen an einer Krawatte kann helfen. Führen Sie vor dem Dreh einige Tests durch, um herauszufinden, wo Sie das Mic am besten platzieren können, damit Windgeräusche reduziert werden und trotzdem ein klares Signal entsteht.

Mit dem Körper abschirmen

Überlegen Sie, wie Ihr Talent im Verhältnis zur Windrichtung steht. Wenn es ein Lavalier-Mic trägt, kann eine leichte Drehung helfen, eine Windböe abzuschirmen.

EQ-Einsatz

Wie bereits erwähnt, bestehen Windgeräusche überwiegend aus tieffrequenten Anteilen im Bereich von etwa 20 Hz bis 250 Hz (Bass und Subbass). In manchen Fällen genügt es daher, diese Frequenzen per Equalizer abzusenken. Dies kann während der Produktion oder in der Postproduktion erfolgen.

Während der Produktion

Der Einsatz von EQ -Werkzeugen am Set ist eine effektive Möglichkeit, Windgeräusche zu reduzieren, bevor sie überhaupt Ihren Recorder erreichen. Viele Mikrofone verfügen über EQ -Schalter, mit denen bestimmte Frequenzbereiche angehoben oder abgesenkt werden können. Mics, die bei Videoproduktionen eingesetzt werden, verfügen häufig über Hochpassfilter zur Reduzierung tiefer Frequenzen, wie etwa unser VideoMic Pro+. Nutzen Sie diese Möglichkeit!

Postproduktion

Die Korrektur von Windgeräuschen in der Postproduktion sollte das letzte Mittel sein – zum Beispiel, wenn Sie die Geräusche während des Drehs nicht in den Griff bekommen haben und den Ton nicht erneut aufnehmen können. Tun Sie am Set immer so viel wie möglich, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

Importieren Sie Ihren Ton in Ihre DAW oder Videoschnittsoftware, öffnen Sie die EQ -Werkzeuge, die Sie normalerweise verwenden, und schneiden Sie entweder Frequenzen im Bereich von etwa 20 Hz bis 250 Hz manuell ab oder wenden Sie einen Hochpassfilter beziehungsweise Low-Cut-Filter an, um diese störenden Frequenzen zu reduzieren.

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