Ein Leitfaden für Solo-Drehs (wenn du gleichzeitig vor der Kamera stehst)

Kyle Hart ist CEO und Regisseur von Rhino, der großartigen Marke für Kamera-Equipment, die motorisierte Slider, Rigs und andere Tools herstellt, mit denen Filmemacher unterwegs unglaubliche Aufnahmen einfangen können. Außerdem ist Rhino einer der wichtigsten Sponsoren von My RØDE Reel 2019 – die diesjährigen Gewinner könnten eines ihrer großartigen Motion-Control-Bundles mit nach Hause nehmen. Das Team von Rhino besteht aus leidenschaftlichen Filmemachern und Ingenieuren, und Kyle bildet da keine Ausnahme. Deshalb haben wir ihn gebeten, uns seine sechs Tipps für Solo-Drehs zu verraten, bei denen man gleichzeitig vor der Kamera steht – für die meisten Filmemacher keine leichte Aufgabe.

Wenn du Filmemacher bist und schon einmal allein einen Film gedreht hast, weißt du, wie schwierig das ist. Aber was, wenn du allein filmst und gleichzeitig vor der Kamera stehst? Ist das überhaupt möglich? Für manche mag das wie ein Albtraumszenario klingen, doch bei der heutigen Generation von Content Creators wird es immer üblicher. Es ist durchaus möglich, gute Ergebnisse zu erzielen, aber einige einfache Dinge, die man sonst als selbstverständlich betrachtet, können etwas knifflig werden. Hier sind einige Tipps, wie du einen Solo-Dreh angehst.

Tipp 1: Nimm dir mehr Zeit für die Vorproduktion

Locationscouting

Location und Bildkomposition gehören zu den wichtigsten Aspekten deines Films. Sie bestimmen die Atmosphäre deiner Geschichte. Nimm dir mehr Zeit, zahlreiche Locations zu erkunden, und nimm einen Freund mit, damit du deine Aufnahmen und die Bildkomposition jeder einzelnen Location planen kannst.

Storyboard und Shotlist

Nur weil du allein drehst, solltest du nicht an der Organisation sparen. Ein Storyboard für deinen Film macht dir das Leben im Schneideraum deutlich leichter. Außerdem stellst du so sicher, dass du die Geschichte, die du erzählst, wirklich durchdacht hast, und kannst deine Shotlist sowie die Bewegungen in der Szene planen.

Wenn du deine Shotlist während des Drehs änderst, ist das in Ordnung. Denk einfach daran, den Schnitt mitzudenken. Wie wirkt sich eine Änderung auf alles andere aus? Entsteht irgendwo ein Anschlussfehler? Ist die Geschichte weiterhin schlüssig?

Wenn du deine Shotlist planst, denk daran, dass Nahaufnahmen dein Freund sind. Sie lassen sich leichter ausleuchten und mit einem Mikrofon aufnehmen, wenn du allein aufbaust. Erstelle zusätzlich zu deiner Shotlist eine Liste der „wilden Geräusche“ (auch als Foley bekannt), die du für jede Aufnahme einfangen musst. Am Tag nach dem Dreh wirst du dir selbst dankbar sein, wenn du nicht noch einmal zurückkehren und zusätzlichen Ton aufnehmen musst.

Tipp 2: So stellst du den Fokus ein

Manuelles Objektiv

Wenn du ein manuelles Objektiv verwendest, nutze einen Platzhalter, um den kritischen Fokus einzustellen. Stelle ein Ersatz-Lichtstativ oder C-Stand dorthin, wo du stehen wirst, und markiere die Position mit Klebeband auf dem Boden oder lege etwas Kleines wie einen Stift oder eine Münze dort ab. Mit dem Platzhalter kannst du außerdem eine grobe Belichtung einstellen.

Autofokus-Kamera

Dank des jüngsten Fortschritts bei hochwertigem Autofokus für Video ist es deutlich einfacher geworden, sich selbst zu filmen und dabei im Fokus zu bleiben. Wir haben kürzlich einige Videos mit der Canon 6D MKII und Canons berüchtigtem Dual-Pixel-Autofokus gedreht und waren begeistert. Die Sony A6400 und die A9 verfügen über Sonys brandneues Real-Time Tracking, das sogar mit höherpreisigen Kameras wie der Canon 1DX MKII mithalten kann. Mit dem sogenannten „Focus Hunting“ musst du dich allerdings weiterhin auseinandersetzen – dabei sucht die Kamera nach einem Objekt, auf das sie fokussieren kann. Überprüfe deinen Clip daher unbedingt, wenn du den Autofokus verwendest, um sicherzustellen, dass die Kamera während der Aufnahme nicht „gepumpt“ hat.

Tipp 3: So stellst du die Belichtung ein

Ausklappbarer, schwenkbarer Bildschirm

Je nach Budget gibt es dafür mehrere Möglichkeiten. Wenn deine Kamera über einen schwenkbaren Bildschirm verfügt, wie die Sony 6400, Canon EOS 80D oder 6D MKII, kannst du deine Aufnahme belichten, indem du auf den Bildschirm schaust, während die Kamera auf dich gerichtet ist. Mit einem so kleinen Bildschirm ist das etwas schwierig, aber machbar.

Externer Monitor

Wenn du es dir leisten kannst, ist das mit Abstand die beste Option. Für etwa 500 $ bekommst du einen hochwertigen 5-Zoll-Monitor, der dir sehr viel Zeit spart. Du kannst den Monitor entweder an deiner Kamera befestigen oder ihn in diesem Szenario direkt an einem Lichtstativ montieren und ein längeres HDMI-Kabel verwenden, sodass der Monitor direkt neben dir steht.

Tipp 4: So bekommst du Kamerabewegung

Kamerabewegung ist ein wesentlicher Bestandteil des Filmemachens und der Kinematografie. Wenn du kein Budget für entsprechendes Equipment hast, kommst du mit statischen Aufnahmen aus, aber Bewegung hilft dir, deine Geschichte zu erzählen, und verleiht deinem Film viel zusätzliche Wirkung.

Eine der wenigen Möglichkeiten, sich selbst mit Kamerabewegung zu filmen, ist ein automatisiertes Slider-System. Das neue Arc-II-System von Rhino kann entweder eine vorprogrammierte Bewegung abspielen oder dein Gesicht in Echtzeit verfolgen, wenn du dein Smartphone darauf montierst. Beim Vlogging ist das eine echte Revolution: Du kannst dich frei in der Szene bewegen und musst dir keine Gedanken darüber machen, ob du im Bild bist. Wenn du eher einen narrativen Film drehst, kannst du über die iOS-App eine Bewegung programmieren und sie aus der Ferne starten, sobald du dich zum Filmen positioniert hast.

Sieh dir dieses Video an, um zu sehen, wie es funktioniert.

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Tipp 5: So bekommst du großartigen Ton

Ton ist die am meisten unterschätzte Komponente beim Filmemachen. Wenn dein Video etwas überbelichtet ist oder der Fokus ein wenig danebengegangen ist, kannst du das durch kreativen Schnitt und Grading korrigieren. Wenn dein Ton jedoch schlecht ist, wird es jeder bemerken, und er lenkt von der Geschichte ab, die du erzählst.

Mikrofon-Optionen

Für narrative Arbeiten ist ein hochwertiges Richtrohrmikrofon wie das RØDE NTG3 oder NTG4+ kaum zu übertreffen. Wenn du dich nicht bewegst, kannst du eine an einem C-Stand befestigte Galgenhalterung verwenden. So erhältst du selbst dann eine bestmögliche Tonqualität, wenn niemand da ist, der die Tonangel hält. Der Nachteil ist, dass du auf ein externes Gerät aufnehmen und den Ton in der Postproduktion synchronisieren musst. Für wichtige Aufnahmen lohnt sich das definitiv, aber wenn du allein filmst, kann es schwierig sein, jedes Mal daran zu denken, sowohl an der Kamera als auch am Audiorecorder die Aufnahme zu starten (glaub mir, das ist schon passiert).

Es gibt jedoch noch eine weitere großartige Option, besonders wenn du dich in der Szene bewegst: das Wireless GO. Dieses besonders kleine drahtlose Mikrofonsystem verfügt über ein direkt im Sender integriertes Mikrofon, sodass du auf ein externes Lavaliermikrofon verzichten kannst, um alles einfach zu halten. Das Beste an einem drahtlosen System ist, dass dein Ton direkt in der Kamera aufgezeichnet wird und du dich in der Postproduktion nicht um die Synchronisation kümmern musst. Wenn du allein filmst und dich dabei bewegst, gibt es wirklich keine bessere Lösung.

Tipp 6: So beleuchtest du deine Aufnahmen

Beleuchtung wird fast ebenso unterschätzt wie Ton. Es gibt keinen besseren Weg, eine „filmische“ Atmosphäre zu schaffen, als mit guter Beleuchtung.

Natürliches Licht

Wenn du ganz allein filmst, hast du ohnehin schon alle Hände voll zu tun. Deshalb ist natürliches Licht hier besonders wichtig. Versuche, deine Aufnahmen in der Nähe von Fenstern zu gestalten, oder nutze die Beleuchtung, die bereits an deinem Set vorhanden ist. Ein wenig seitliches Licht von einer warmen Lampe oder ein Aufhelllicht von einem nahegelegenen Fenster kann die Wirkung deiner Aufnahme vollständig verändern.

Künstliches Licht

Wenn du künstliches Licht verwenden möchtest und ein Set hast, kann das sehr viel bewirken. Halte es aber auch hier einfach und übertreibe es nicht. Manchmal brauchst du nur ein Führungslicht, wenn du mit bereits vorhandenen Lichtquellen aufhellst und Akzente setzt. Da du kein Team hast, das dein Licht modifiziert, denk an einfache Tricks wie das Reflektieren eines Lichts an einer Wand oder Decke, um eine weichere Wirkung zu erzielen.

Das war’s! Hoffentlich haben dir diese praktischen Tipps gezeigt, wie dein nächster Solo-Film ein Erfolg wird. Denk daran: Zerbrich dir nicht zu sehr den Kopf und fang einfach an zu filmen. Je mehr du drehst, desto besser wirst du.

Bei My RØDE Reel gab es bereits zahlreiche unglaubliche Beiträge, die als Ein-Personen-Produktionen entstanden sind. Wenn du über eine Teilnahme nachdenkst, leg los! Einsendeschluss ist der 28. August. Reiche deinen Film hier ein.