„Sie haben das lokale Radio getötet. Podcasting war eine Reaktion darauf“: Interview mit Mike Dawson

Schon gehört? Vor ein paar Wochen haben wir anlässlich des RØDECaster Pro und des PodMic einen Podcast-Wettbewerb gestartet. Er heißt My RØDE Cast, und alles, was du tun musst, um teilzunehmen, ist, einen ein- bis zweiminütigen Podcast einzureichen und damit die Chance auf einen Anteil am Preisgeld von 150.000 US-Dollar zu erhalten. Ziemlich großartig, oder?

Einer der Juroren des Wettbewerbs ist Mike Dawson – Sprecher, Toningenieur und Co-Produzent von The Adam Carolla Show (Inhaber des Guinness-Weltrekords für den meistgeladenen Podcast – ja!). Dawson stammt aus der San Francisco Bay Area und lebt seit mehr als der Hälfte seines Lebens in Südkalifornien. Du hörst ihn am Anfang und Ende jeder Folge von Adam Carolla Show sowie als Ansager für Blah Blah Blog und Totally Topical Tivo Trivia Time Today.

2013 gründete Dawson sein eigenes Unternehmen, DawsAngeles LLC, das auf Voice-over, Audio-Branding und Musikproduktion, Live-Konzerte und Veranstaltungen sowie die Moderation von The World Championship of Guacamole spezialisiert ist. Wir haben uns mit ihm über seinen Weg im Podcasting, seine Begeisterung für dieses Format und die größten Hürden unterhalten, denen er nach zehn Jahren in diesem Geschäft begegnet ist.

Erzähl uns ein wenig über deine Karriere, bevor du bei The Adam Carolla Show gearbeitet hast. 

Ich begann 1997 beim Radio, nachdem ich die UCSB abgeschlossen hatte. Drei Monate lang klopfte ich jeden Montag mit meinem Lebenslauf in der Hand an die Tür jedes Radiosenders, bis mir jemand einen Job gab. Keinen besonders guten, aber für mich war er großartig: Ich war Sendetechniker für die lokalen Santa-Barbara-Ausstrahlungen von Jim Brickmans Weekend Morning und Casey Kasems Top 40 Countdown. Die Arbeitszeiten waren samstags ab 4 Uhr morgens und sonntags ab 5 Uhr morgens. Ein paar Mal tauchte ich betrunken auf, aber es waren keine Vorgesetzten da, also machte ich während der Beiträge Nickerchen und wachte auf, wenn ich Werbespots hörte, damit ich lokale Anzeigen senden und den Titel in der Sendung wechseln konnte. Danach wurde ich Evening Jock, Music Director und Assistant Program Director bei 99.9 KTYD, dem traditionsreichen Rocksender von Santa Barbara. Es war großartig. Ich verdiente miserabel, musste aber auch nicht viel bezahlen. Nach acht Jahren ging ich, als ich dachte, die Karriereleiter erklommen zu haben, und wechselte nach San Diego zu dem inzwischen eingestellten Classic-Rock-Sender 103.7 KPLN „The Planet“, wo ich Music Director und Evening Jock wurde. Nach zwei Jahren stellten die Verantwortlichen das Format auf FM Talk um, und wir verloren über Nacht alle unsere Jobs. Adam Carolla sollte dort im neuen Jahr mit einer syndizierten Morgensendung starten. Ich sagte tatsächlich zu jemandem, mit dem ich arbeitete: „Leckt mich, Leute. Ich werde mir einen Job bei Adam Carolla besorgen.“ Sechs Monate lang moderierte ich die Mittagssendung bei San Franciscos 95.7 Max FM, dann bekam ich ein Vorsprechen bei Adam Carolla. Ich bekam den Job.

Und danach warst du am Podcast The Adamn Carolla Show beteiligt?

Adam startete den Podcast 2009 mit einem Freund, unmittelbar nachdem wir wegen einer weiteren Formatänderung beim Radio entlassen worden waren. Adam rief mich an und sagte: „Wir bringen die Band wieder zusammen.“ Im Ernst, genau so ist es passiert.

Was hat dich am Anfang am Podcasting-Format gereizt?

Nichts, ehrlich gesagt. Ich habe mich erst vor ein paar Jahren wirklich für Podcasting entschieden. Da ich aus dem Radio komme, liebe ich Radio. Ich verehre Radio. Wenn nicht die Clear Channels dieser Welt riesige Radiokonglomerate gebildet und regelmäßig Tagesprogrammstrecken syndiziert hätten … sie haben dem Radio effektiv die Seele genommen und sie irgendeinem Teufel im blauen Anzug überlassen, der in einem Hochhaus in Dallas sitzt. Sie haben das lokale Radio getötet. Podcasting war eine Reaktion darauf. Um die Frage trotzdem freundlich zu beantworten: Ich glaube, was mich am Podcasting gereizt hat, ist die Tatsache, dass du der Chef bist. Niemand sagt dir, was du tun darfst und was nicht. Es ist völlig offenes Terrain. Das sorgt zwar nicht zwangsläufig für eine gute Sendung, beseitigt aber definitiv die Barrieren, die kreative Menschen bisher vom Rundfunk abgehalten haben.

Wie bist du als Co-Produzent und Toningenieur in die Produktion der Sendung eingebunden?

Ich habe die Kontrolle über den gesamten Ton. Von Anfang bis Ende geht jedes Element von ACS durch meine Hände und Ohren. Ich habe hohe Ansprüche, und mein Ziel für ACS war es, eine Sendung zu produzieren, die problemlos zu jeder Tageszeit und in jedem Markt der Welt ausgestrahlt werden könnte. In den USA sind das im Wesentlichen New York und Los Angeles.

Was waren nach zehn Jahren einige der größten Hürden, denen du und das Team bei der Produktion der Sendung begegnet seid? 

Vertriebler. Vertriebler stehen einem immer im Weg. Es gab immer wieder Personalwechsel, aber so ist das Leben. Ich glaube, meine größte und zugleich unterhaltsamste Herausforderung besteht darin, in einer Stadt anzukommen, in der ich noch nie war, in einem Veranstaltungsort aufzutreten, an dem ich noch nie gespielt habe, an einem Mischpult zu arbeiten, an dem ich noch nie gemischt habe, und höchstens 20 Minuten Zeit zu haben, um The Adam Carolla Show aufzubauen. Früher hat mir das höllische Angst gemacht. Heute macht es Spaß.

Abgesehen von der Produktion bist du auch eine der Stimmen von The Adam Carolla Show und arbeitest außerdem viel als Sprecher. Hast du Tipps für alle, die ihre samtige „Podcast-Stimme“ verfeinern möchten?

Alle sagen: „Rauch Zigaretten und trink Whiskey“, aber das stimmt nicht. Die Antwort ist einfach. Beten. Ich habe Gott um seine Stimme gebeten, und weißt du was? Er hat sie mir gegeben.

Natürlich mache ich nur Spaß. Du sagst, ich sei ein Held, und das akzeptiere ich. Der beste Rat, den ich geben kann, besteht aus zwei Teilen. Investiere Geld in dein Handwerk.  Hol dir ein gutes Mikrofon und einen guten Vorverstärker. Dann arbeite einfach damit. Nimm jeden Voice-over-Job an, den du bekommen kannst, selbst wenn du nicht bezahlt wirst. Eine Weile wirst du kein Geld verdienen, aber das bedeutet nicht, dass du kein „professionell arbeitendes Voice-over-Talent“ sein kannst. Sobald du das bist, werden sie dich bezahlen.

Wohin wird sich das Podcasting deiner Meinung nach in den nächsten fünf Jahren entwickeln?

Ich bin gespannt, wohin uns das Podcasting führen wird. Es gibt einen neuen Trend, Filme und Fernsehsendungen auf Grundlage von Podcasts zu produzieren. In diesem Sinne sind Podcasts die neuen Bücher. Ich bin sehr neugierig, wohin die Audiotechnologie das Podcasting führen wird. In naher Zukunft werden wir, glaube ich, Podcasts in Stereo mit 5.1-Surround-Sound hören. Ich beschäftige mich derzeit damit. Wahrscheinlich wird mir aber jemand zuvorkommen.  Ich hoffe nur, dass der „große Bruder“ (Google, YouTube, Facebook usw.) die Reichweite von Podcasts, die er aus irgendeinem Grund für unangemessen hält, nicht weiterhin einschränkt. Demokratie funktioniert nur, wenn wir eine informierte Wählerschaft haben. Wenn Technologiekonzerne die verfügbaren Informationen begrenzen, manipulieren sie das System faktisch.

Zum Schluss: The World Championship of Guacamole – erzähl uns davon.

The World Championship of Guacamole ist das Beste, was je passiert ist. Früher habe ich bei einem Avocado-Festival einen Guacamole-Wettbewerb moderiert, und nachdem es jahrelang einen „Sieger des Guacamole-Wettbewerbs“ gegeben hatte, dachte ich: „Wir brauchen einen Dachverband.“ Also ließ ich die Marke eintragen, und wir veranstalten das Event jedes Jahr im Oktober (Guactober) in Kalifornien. Hier erfährst du mehr über OWCOG.