Was ist Kompression?

Wenn wir uns die Zeit nehmen, die Wellenform unserer Audioaufnahme zu betrachten, stellen wir fest, dass sie aus mehreren unterschiedlich großen Spitzen und Tälern besteht – daher auch ihre Bezeichnung. Ganz gleich, ob wir sanften Gesang vom Mikrofon bis zum fertigen Produkt.    

Nun können wir die Gesamtlautstärke des neu komprimierten Tracks anheben. Dadurch entsteht der Eindruck, dass die leiseren Teile der Aufnahme lauter geworden sind und nun den lauteren Abschnitten entsprechen.

Kompression gibt uns mehr Kontrolle über den Dynamikbereich unserer Tracks und kann das Zusammenspiel mit anderen Spuren erleichtern. Außerdem sorgt sie für eine insgesamt gleichmäßigere Aufnahme.

Wie funktioniert Kompression?

Nachdem wir nun wissen, was Kompression bewirkt, sehen wir uns an, wie sie tatsächlich funktioniert. Woher „weiß“ der Kompressor beispielsweise, wann leise Klänge beginnen und laute enden – und umgekehrt? Vielleicht möchten wir nicht den gesamten Track komprimieren, sondern nur bestimmte Teile davon. Wie lässt sich das erreichen? Lesen Sie weiter!

Die folgenden Parameter finden sich bei den meisten Audiokompressoren und ermöglichen eine vollständige Kontrolle darüber, was wir komprimieren und wie stark:

Threshold

Der Threshold legt den Dezibelpegel (dB) fest, ab dem der Kompressor einsetzt und beginnt, den Dynamikumfang zu reduzieren. Wenn wir den Threshold beispielsweise auf -15 dB einstellen, wird der Kompressor erst aktiviert, wenn das Audiosignal diesen Wert erreicht und überschreitet. Sobald dieser Pegel überschritten ist, wird das Signal um einen bestimmten Betrag komprimiert.

Ratio

Mit „Ratio“ ist genau das Kompressionsverhältnis gemeint, das wir oberhalb des Threshold-Pegels anwenden möchten. Je höher das Verhältnis, desto stärker die Kompression. Sehen wir uns einige grundlegende Verhältnisse an:

  •  Das niedrigstmögliche Verhältnis ist 1:1 – es wird überhaupt keine Kompression angewendet.
  •   Ein Verhältnis von 2:1 bedeutet, dass der Kompressor für jeweils 2 dB, um die das Signal den Threshold überschreitet, nur 1 dB Ausgangspegel ausgibt.
  •   Ein Verhältnis von 4:1 bedeutet dasselbe, nur in stärkerem Maß. Für jeweils 4 dB , um die das Signal den Threshold überschreitet, gibt der Kompressor 1 dB Ausgangspegel aus.

Attack

„Attack“ bezeichnet die Zeit, die der Kompressor benötigt, um auf das Audiosignal zu reagieren und nach Überschreiten des Thresholds das maximale Kompressionsverhältnis zu erreichen. Die Attack-Zeit wird üblicherweise in Millisekunden (ms) gemessen.

Mit einer kurzen Attack-Zeit stellen wir sicher, dass Signalspitzen oder Transienten sofort vollständig komprimiert werden. Eine längere Attack-Zeit lässt diese Spitzen und Transienten zunächst passieren, während das nachfolgende Audiosignal komprimiert wird.

Release

„Release“ bezeichnet die Zeit, die der Kompressor benötigt, um nach dem Unterschreiten des Thresholds durch das Audiosignal wieder auszusetzen. Eine sehr kurze Release-Zeit ist nicht unbedingt erstrebenswert, da sie völlig unnatürlich klingen kann – das Audiosignal kann sehr abrupt abfallen. Eine langsamere, allmähliche Reduktion wirkt daher möglicherweise angenehmer für das Gehör.

Make-up-Gain

Nach der Kompression des Audiosignals ist die Gesamtlautstärke des Tracks geringer. Mit Make-up-Gain wird der Gesamtpegel des Tracks angehoben, damit er sich natürlich in den Mix einfügt. Letztendlich weist die Aufnahme einen geringeren Dynamikumfang und eine gleichmäßigere Lautstärke auf.  

Nachdem wir nun die grundlegenden Regeln der Kompression kennengelernt haben, können wir sie bei unseren Aufnahmen als zwei unterschiedliche Werkzeuge einsetzen. Wir können Kompression korrigierend verwenden – beispielsweise, um Lautstärkeschwankungen zu zähmen – oder als kreatives Gestaltungsmittel, etwa um die Pegel eines Schlagzeugsets einander anzugleichen. 

Wie bei den meisten Techniken der Audioaufnahme gibt es keine richtigen oder falschen Methoden, sondern nur Richtlinien. Warum experimentieren Sie nicht mit Ihren eigenen Einstellungen, werden Sie kreativ und finden Sie durch Ausprobieren den Klang, der am besten zu Ihnen und Ihrem Projekt passt?