Stereo-Mikrofontechniken

In einem früheren Beitrag haben wir die grundlegenden Unterschiede zwischen Mono- und Stereoaufnahmen erläutert und gezeigt, für welche Szenarien sich die jeweilige Methode besser eignet.

In diesem Beitrag sehen wir uns die verschiedenen gängigen Stereo-Mikrofontechniken an, worin sie sich unterscheiden und welche Mikrofone du benötigst, um sie erfolgreich einzusetzen.

Zuerst … die Phase prüfen!

Beim Wechsel von Mono- zu Stereoaufnahmen stößt du auf die als Phasenauslöschung bekannte Herausforderung. Dabei treffen zwei Versionen desselben Schalls (also des Signals, das du aufnimmst) zu leicht unterschiedlichen Zeitpunkten (innerhalb weniger Millisekunden) an jedem Mikrofon ein und werden bei der Wiedergabe zusammengemischt.

Da Audiosignale jederzeit entweder eine positive oder eine negative Amplitude aufweisen, löschen sich die beiden Signale gegenseitig aus, wenn sie sich mit entgegengesetzten Amplituden bewegen, oder verstärken sich, wenn sie dieselbe Amplitude haben. Das resultierende Audiosignal weist während der gesamten Aufnahme unnatürliche Lautstärke- und Frequenzschwankungen auf: Einige Frequenzen werden abgeschwächt, andere verstärkt. Sind die beiden Signale exakt um 180 Grad phasenverschoben, herrscht vollständige Stille.

 

Einige der unten aufgeführten Stereo-Mikrofontechniken eignen sich besser zur Minimierung von Phasenproblemen, während andere dafür anfällig sind. Sehen wir uns die einzelnen Techniken an und erfahren, was du tun kannst, um dieses Problem zu vermeiden!

 

Gespacedes Paar

Die Technik des gespaceden Paars (auch A/B genannt) besteht aus zwei einzelnen Mikrofonen, typischerweise mit Nieren- oder Kugelcharakteristik, die mit Abstand zueinander positioniert werden, um ein breites Stereobild eines Instruments oder Ensembles einzufangen.

Diese Technik ist aufgrund der Laufzeitunterschiede des an den einzelnen Mikrofonen eintreffenden Audiosignals anfällig für Phasenprobleme. Um dem entgegenzuwirken, kannst du die 3:1-Regel anwenden: Positioniere das zweite Mikrofon dreimal so weit vom ersten entfernt, wie das erste Mikrofon von der Schallquelle entfernt ist.

Wenn du beispielsweise eine Akustikgitarre aufnimmst, positioniere jedes Mikrofon 10 cm von der Gitarre entfernt, aber 30 cm voneinander entfernt – eines nahe am Korpus und eines nahe am Hals. So minimierst du Phasenprobleme und erhältst gleichzeitig ein breites Stereobild des gesamten Instruments, das die klanglichen Unterschiede zwischen Korpus und Hals der Gitarre einfängt.

Perfekt für diese Anwendung geeignet sind das RØDE M5 Matched Pair, das NT5 Matched pair oder für maximale Flexibilität das NT55 Matched Pair , das zusätzlich mit austauschbaren Kugelkapseln geliefert wird.

 

X-Y

Bei der X-Y-Technik werden zwei identische Nierenmikrofone übereinander angeordnet und in einem Winkel von 90 Grad voneinander weg ausgerichtet. Die beiden Mikrofonkapseln nehmen den Schall links und rechts des unmittelbaren Bereichs auf. Dadurch ist das Stereobild nicht so breit wie bei einem gespaceden Paar, die Einrichtung ist jedoch unkompliziert.

Diese Technik eignet sich außerdem hervorragend zur Minimierung von Phasenauslöschungen, da der Schall aufgrund der geringen Entfernung typischerweise gleichzeitig an jeder Kapsel eintrifft. Damit ist sie eine ausgezeichnete Wahl für schnelle und einfache Stereo-Mikrofonaufnahmen.

Um es dir noch einfacher zu machen, stellt RØDE eine Reihe von X-Y-Stereomikrofonen her, etwa das NT4, das Stereo VideoMic Pro für Aufnahmen auf der Kamera oder das i-XY, das direkt an dein iPhone angeschlossen wird und beeindruckenden Stereoklang direkt auf deinem Mobilgerät aufnimmt!

 

Blumlein-Paar

Die Blumlein-Technik ähnelt der X/Y-Technik sehr. Statt Nierenmikrofonen werden jedoch bidirektionale Mikrofone (Achtercharakteristik) verwendet, die ebenfalls in einem Winkel von 90 Grad zueinander angeordnet sind.

Das bedeutet: Das Mikrofon, das den Schall vorne und links (in Richtung der Schallquelle) aufnimmt, erfasst auch den hinteren rechten Bereich des Raums. Ebenso nimmt das nach vorne und rechts gerichtete Mikrofon auch den hinteren linken Bereich auf.

Das resultierende Audiosignal enthält sowohl ein Stereobild der Schallquelle als auch zusätzliche, vom hinteren Bereich des Aufnahmeraums eingefangene Raumanteile. Das kann deiner Aufnahme mehr Größe und Tiefe verleihen, allerdings ist ein gut klingender Raum entscheidend für das Ergebnis.

Hierfür benötigst du Mikrofone, die Aufnahmen mit einer Achtercharakteristik ermöglichen, etwa das NT2-A oder das K2 Röhrenmikrofon. Die SB20 Stereo Bar kann dabei helfen, zwei Mikrofone dicht beieinander zu montieren.

 

ORTF

ORTF ist nach dem französischen Fernsehsender benannt, der diese Technik entwickelt hat, und wurde konzipiert, um die Positionierung menschlicher Ohren nachzuahmen. Dafür musst du zwei identische Nierenmikrofone exakt 17 cm voneinander entfernt und in einem Winkel von 110 Grad voneinander weg ausgerichtet positionieren. Das resultierende Audiosignal sollte der Breite und Richtwirkung sehr nahekommen, die du beim Hören einer beliebigen Schallquelle wahrnimmst.

Am besten eignet sich dafür ein abgestimmtes Paar Nierenmikrofone, etwa das NT5 oder das NT55 Matched Pair. Die SB20 Stereo Bar verfügt bereits über Markierungen, mit denen du eine präzise ORTF-Positionierung erzielen kannst.

 

Mid-Side-Technik

Die Mid-Side-Technik (auch M-S genannt) ist die aufwendigste Stereo-Technik, bietet dir jedoch eine größere Kontrolle über das Ergebnis. Für diese Technik benötigst du ein Nierenmikrofon sowie ein bidirektionales Mikrofon (Achtercharakteristik).

Das Nierenmikrofon (Mid) ist auf der Achse auf die Schallquelle gerichtet, während das Achter-Mikrofon (Side) nach links und rechts zeigt und Schall außerhalb der Achse aufnimmt. Die mit dem Side-Signal aufgezeichnete Spur muss anschließend dupliziert und auf der duplizierten Spur die Phase invertiert werden. Die Originalspur wird hart nach links, die duplizierte Spur hart nach rechts gepannt. Der Nierenkanal (Mid) wird immer in der Mitte gepannt.

Durch Anpassen des Pegelverhältnisses zwischen Mid- und Side-Kanälen lässt sich das Stereobild verändern und an unterschiedliche Ergebnisse anpassen. Bei dieser Technik ist Experimentieren entscheidend, um das für dich beste Ergebnis zu finden.

Flexible Mikrofone wie das NT2-A oder das NT2000 eignen sich sowohl für Nieren- als auch für Achteranwendungen bei dieser Technik. Ein Paar identischer Mikrofone gewährleistet dabei eine konsistente Klangcharakteristik.

 

Wie immer: Viel Spaß beim Experimentieren mit deinen Stereoaufnahmen, um die Ergebnisse zu finden, die am besten zu deinem Projekt passen!